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Celler Garnison-Museum e.V.

DIGITALE AUSSTELLUNG

Von der Aufklärungsversuchsgruppe zur Drohnen Lehr- u. Versuchsstaffel

1969 – Drohnen Lehr- und Versuchsstaffel

ZEITLEISTE 1969 – Drohnen Lehr- und Versuchsstaffel

Drohnen Lehr- und Versuchsstaffel

Übergang zur CL-89

Als Nachfolgesystem der SD-1 rückte die CL-89 (AN/USD-501) in den Mittelpunkt. Das System wurde ab 1963 durch Canadair Ltd. im Auftrag Kanadas und Großbritanniens und später unter Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland entwickelt. Es war für Zielaufklärung und Wirkungsbestätigung der Artillerie vorgesehen. Der erste Flug erfolgte am 1. März 1964 in Fort Yuma, Arizona. Ab 1965 nahm auch technisches Personal der Drohnen Lehr- und Versuchsgruppe an den Erprobungsflügen teil.

Drohne CL-89

Technische Daten der CL-89

Länge 2,6 m
Durchmesser 0,33 m
Gewicht ca. 107 kg
Geschwindigkeit 760 km/h
Eindringtiefe bis 60 km
Flughöhe 300–1.200 m
Triebwerk Düsentriebwerk
Sensoren optische Kamera, Infrarot-Linescan
Lenksystem Programmlenkung

Die CL-89 war raketenähnlich ausgeführt und besaß am Heck X-förmige Stabilisierungsflächen. Vier kleine Steuerflächen am Bug dienten der Kurssteuerung. Die Drohne flog mit einem Anstellwinkel von etwa drei Grad; klassische Tragflächen waren nicht erforderlich.

Vorbereitung der Einführung

Die Ausbildung zur Übernahme des Systems begann im März 1968. Auf Grundlage von Unterlagen der Firma Canadair Ltd. und der Protokolle der technischen Erprobung wurden zwischen dem 15. April und dem 20. Dezember 1968 deutschsprachige Lehrpläne und Vorschriften für die Einsatzleitstelle, die Werfergruppe, den Landeanflugtrupp und den Instandsetzungszug erarbeitet.

Am 7. Oktober 1968 befahl das Heeresamt die Aufstellung und Vorausbildung des Kaders. Die Drohnen Lehr- und Versuchsgruppe übernahm für das System AN/USD-501 die Aufgaben einer Lehreinheit und unterstützte zugleich die Technische Truppe bei der Ausbildung des Instandsetzungspersonals.

Ausbildung in Kanada

Vom 11. Juni bis zum 12. November 1969 verlegten 22 Soldaten nach Montreal zur praktischen Ausbildung bei Canadair Ltd. Die zugehörigen 20 Ausbildungsflüge fanden an der kanadischen Artillerieschule in CFB Shilo, Manitoba, statt. Die Fluggruppen waren gemischt aus kanadischem, britischem und deutschem Personal zusammengesetzt.

Bereits zuvor bestand eine enge Zusammenarbeit mit britischen Drohnensoldaten des 94 Locating Regiment Royal Artillery. Dieses Regiment war von 1956 bis 1984 in der Heidekaserne, den britischen Taunton Barracks, in Celle stationiert und ebenfalls mit dem Drohnensystem AN/USD 1 ausgerüstet.

Nach Abschluss der Erprobung und Beseitigung festgestellter Mängel trafen im Dezember 1969 die ersten CL-89 und weitere Teile des Systems bei der Celler Einheit ein. Vorgesehen war, bis Ende 1972 bei fünf Divisionen je eine Drohnenbatterie in die Beobachtungsbataillone der Artillerie einzuführen. Jede Batterie sollte über zwei Werfer und zwölf Flugkörper verfügen.

1. September 1969
Mit STAN Nr. 319 4707 und Umgliederungsbefehl Nr. 18/69 (H) wurde die Einheit zur Drohnen Lehr- und Versuchsstaffel (Drohnen LVsuStff) umgegliedert. Staffelkapitän wurde Hauptmann Lanz.

Auftrag der Drohnen Lehr- und Versuchsstaffel

Die Staffel hatte Truppenversuche, technische Erprobungen und Lehrvorführungen zur Verbesserung sowie zur Neu- und Weiterentwicklung von Drohnensystemen durchzuführen und auszuwerten. Darüber hinaus hatte sie Spezialpersonal auszubilden. Für den Einsatz war vorgesehen, die Staffel bei Bedarf zu besonderen Aufklärungsaufträgen heranzuziehen.

Im Einzelnen umfasste der Auftrag:

  • Truppenversuche für alle in die Bundeswehr einzuführenden Drohnensysteme sowie technische Erprobungen im Auftrag des BWB,
  • Mitwirkung bei Verbesserungen sowie Neu- und Weiterentwicklungen von Drohnensystemen, Aufklärungssensoren und Bodengerät,
  • Auswertung von Truppenversuchen und technischen Erprobungen,
  • Bereitstellung von Spezial- und Lehrpersonal für besondere Versuche,
  • Ausbildung von Kader- und Spezialpersonal,
  • Mitwirkung bei Einsatz- und Instandsetzungskonzepten für Drohnensysteme,
  • Beiträge zu taktischen und technischen Dienstvorschriften,
  • Instandsetzung von Versuchsgerät bis einschließlich Materialerhaltungsstufe 3.

Unterstellung, Personal und Gliederung

Der Grad der Beweglichkeit war mit vollbeweglich festgelegt. Truppendienstlich unterstand die Drohnen LVsuStff dem Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule; die Unterstellung für den Einsatz sollte gesondert befohlen werden.

Personal im Frieden 6 Offiziere, 43 Unteroffiziere, 36 Mannschaften; insgesamt 85 Soldaten sowie 4 Zivilbeschäftigte
Personal im Einsatz 6 Offiziere, 43 Unteroffiziere, 42 Mannschaften; insgesamt 91 Soldaten

Die Staffel gliederte sich in Staffelführungsgruppe, Auswertungstrupp, Lehr- und Versuchszug (Drohne), Instandsetzungszug (Drohne) und Versorgungsgruppe. Zum Lehr- und Versuchszug gehörten unter anderem Luftbildgruppe, Leitgruppe, Startgruppe, Flugkontrollgruppe sowie Landekontroll- und Transportgruppe. Der Instandsetzungszug umfasste Fachtrupps für Flugwerk, Triebwerk, Elektronik und Radar.

Das Material bestand aus dem regulären STAN-Material – darunter Kraftfahrzeuge, Anhänger, Werkstattausstattung, Werkzeugsätze, Stromerzeuger, Funkgeräte und persönliche Ausrüstung – sowie aus Erprobungs- und Versuchsmaterial. Für die CL-89 gehörte dazu zusätzlich das vollständige Gerät einer Drohnenbatterie eines Beobachtungsbataillons der Artillerie.