Aufklärungslücke und Aufstellung
Ausgangspunkt des Beitrags ist der zu Beginn der Wiederbewaffnung festgestellte wachsende Aufklärungsbedarf des Heeres. Mit der zunehmenden Feuerkraft, Reichweite und Beweglichkeit schwerer Waffen stieg insbesondere der Bedarf an Aufklärung in der Tiefe des Gefechtsfeldes. Die vorhandene bodengebundene Aufklärung – im Beitrag als „Auge und Ohr“ bezeichnet – konnte diesen Bedarf aufgrund ihrer begrenzten Reichweite nur unzureichend decken. Zugleich wurde davon ausgegangen, dass die Aufklärungskräfte der Luftwaffe im Einsatz vorrangig mit eigenen Aufträgen gebunden sein würden.
Zur Schließung dieser „Aufklärungslücke“ standen verschiedene technische Aufklärungsmittel zur Verfügung, die bei verbündeten Streitkräften bereits eingesetzt oder von der Industrie angeboten wurden. Das Heeresamt richtete deshalb ein Dezernat für Allgemeine Technische Aufklärung ein. Dessen Aufgabe war es, geeignete Systeme zu erproben und ihre Verwendbarkeit für die Bundeswehr zu beurteilen. Für die praktische Erprobung der Geräte und ihrer taktischen Einsatzmöglichkeiten wurde eine eigene Versuchsgruppe vorgesehen.
8. Dezember 1959
Mit Aufstellungsbefehl Nr. 456 (Heer) befahl das Heeresamt die Aufstellung einer Aufklärungsversuchsgruppe mit zunächst 30 Vorausdienstposten zum 1. Januar 1960.
Aufklärungsversuchsgruppe 1
Die Aufklärungsversuchsgruppe 1 (AufklVsuGrp 1) wurde der Panzeraufklärertruppe zugeordnet. Als selbständige Einheit war sie dem Truppenamt, Inspektion der Führungstruppen, unterstellt. Neben der Panzeraufklärertruppe gehörten zu dieser Zeit insbesondere die Artillerie mit Licht- und Schallmessverfahren sowie vorgeschobenen Beobachtern, die Heeresflugabwehrtruppe mit der Luftraumbeobachtung und die Heeresflieger mit der Beobachtung aus der Luft zu den Trägern der taktischen Gefechtsfeldaufklärung.
Die AufklVsuGrp 1 hatte drei Hauptaufgaben:
- technisches Aufklärungsgerät zu erproben,
- Organisationsform und Ausstattung zukünftiger Aufklärungseinheiten zu erarbeiten,
- Richtlinien für Ausbildung und Einsatz zu entwerfen.
Stationierung in Celle-Wietzenbruch
Stationierungsort war der Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch. Für die Unterbringung der Soldaten wurde Block 13 zugewiesen. Als Technischer Bereich dienten die Gebäude 158/III, 158/IV und 158/V sowie Teile der Halle 5. Kommandeur der AufklVsuGrp 1 wurde Major Wollenberg.
Der Zulauf des Vorauspersonals begann am 5. Januar 1960. Am 16. Januar betrug die Stärke 30 Soldaten: drei Offiziere, zwölf Unteroffiziere und 15 Mannschaften. Bereits am 19. Januar begannen die ersten Lehrgänge für Luftbildbearbeiter und Luftbildauswerter sowie für Elektroniker.
